Lokalbullshit zur Gentechnik

Teilen
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

Die PaWo leistet wöchentlich einen wertvollen Beitrag zur lokalen Allgemein(un)bildung. Vor ca. einem Monat – genauer gesagt am 3. September 2014 – veröffentlichte die PaWo einen Artikel über Gentechnik und befragte dazu “Experten” Josef Feilmeier. Jetzt wo ich Zeit habe, können wir ja die “Argumente” mal grob durchgehen.

Feilmeier, seines Zeichens Futtermittelhersteller, ist der Überzeugung, dass Gentechnik absolut schädlich sei. In dem PaWo-Artikel betreibt er überwiegend argumentative Ablenkungsmanöver. TTIP ist böse, Monsanto ist böse und ein paar Autoritätsargumente (zu lesen hier). Er behauptet, es gäbe etliche Studien, die die Schädlichkeit von gentechnisch veränderter Nahrung belegen würden. Darunter Studien von Andrioli, Seralini, Carrasco und Moser. Zudem erwähnt er einen Film des Bayerischen Rundfunks, der vor einiger Zeit herauskam. Warum die Gentechnik schädlich sein soll, erwähnt er nicht. Stattdessen bedient er sich populistischer Argumente. Das große Geld, Vertuschung und angeblich zu hohe Kosten des Anbaus von GMO. Er behauptet desweiteren, dass alle gentechnisch veränderten Pflanzen mit Glyphosat behandelt werden müssen. Da sich seiner Meinung nach Schadstoffe im Boden ansammeln würden, müssen später spezielle Dünger nachgekauft werden die SIETM schon bereit liegen haben. Der Rest des Artikels besteht aus den üblichen Verschwörungstheorien von Vertuschung usw. In anderen Medien stellt er fest, dass gentechnisch veränderte Pflanzen Gifte produzieren und die müssten “selbstverständlich” giftig für Menschen sein.

Zuerst einmal: Kritik an Unternehmen oder Handelsabkommen sind kein Argument für oder gegen eine Technologie. Ein solches Argument ist eine Sackgasse. Gleiches gilt für “SIETM vertuschen alles”. Ein argumentatives Armutszeugnis.

Die Seralini-Studie

Diese mittlerweile sehr bekannte Studie wurde bereits kurz nach ihrer Veröffentlichung haushoch zerrissen. SIETM konnten Fehler und Unklarheiten im Studiendesign nachweisen. Was unter anderem zur Debatte stand, kann hier nachgelesen werden. Wer die Seralini-Studie also zitiert hat verloren. Null Punkte für den Gegner.

Andrioli

Prof. Dr. Antônio Andrioli ist Autor des Buches “Die Saat des Bösen”. Er gibt der Gentechnik die alleinige Schuld an der übermäßigen und verantwortungslosen Verwendung von Herbiziden. Er ignoriert dabei, dass die gleichen Gifte ebenfalls bei “klassischen” Anbaumethoden verwendet werden. Ebenfalls Null Punkte für den Gegner.

Carrasco

Dieser Spezialist hat Hühner- und Froschebryonen mit Glyphosat vollgepumpt und offenbar festgestellt, dass dies wohl nicht so gesund ist. Dabei verwendete er so viel Gift, dass die letale Dosis zigfach überschritten wurde (wer bessere Quelle kennt, bitte melden). Würde man 10 Kannen Kaffee auf einen Schlag leeren, würde man wohl genauso an Herzversagen sterben. Muss Kaffee deshalb verboten werden? Wohl eher nicht…

Moser

Spricht von Dogmen und verkauft auch ein hübsches Buch. Er zitiert die Seralini-Studie, verlangt “ganzheitliche Langzeitstudien” (was auch immer er unter ganzheitlich versteht) und kritisiert den “neoliberalen Kapitalismus”. Wer sich das antun will, kann sich hier einen Überblick über seine Ansichten verschaffen.

Giftige Gifte

Feilmeier meint, Herbi- und Pestizide werden (und müssen) ausschließlich bei gentechnisch verändertem Saatgut angewandt. Damit liegt er allerdings falsch (vergleiche Punkt Andrioli). Tatsächlich besteht aber keine Einschränkung in der Wahl des Giftes. Außerdem sollen Pflanzen, die selbsttätig Gift produzieren schädlich sein. Er bezieht sich damit offensichtlich auf BT-Mais. Dabei ignoriert Feilmeier die Tatsache, dass BT ebenso bei konventionellem Anbau verwendet wird. Zudem ist BT für Menschen absolut unschädlich und wirkt nur bei Fraßfeinden der Pflanze (PDF ganz nach unten scrollen für Fazit). Es handelt sich dabei um ein Protein.

2 Millionen Tote

Woher er diese Zahl hat, ist nicht ersichtlich. Es gibt keinerlei Hinweise darauf. Die Zahl soll wohl nur erschrecken. Der Rest des Artikels prophezeit die dunkle Zukunft einer von Konzernen kontrollierten Welt. Danach ein wenig Werbung für seinen tollen Betrieb. Das bedarf wohl keiner weiteren Erklärung…

Zum PaWo-Artikel

(Falls der Link nicht mehr geht: Hier)


Teilen
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.